Kaum ist der Fernseher eingeschaltet, schon fällt unser Blick auf das Elend, das Thomas Rietzschel in seinem Sachbuch „Die Stunde der Dilettanten“ hintergründig zu erfassen versucht. Nicht diejenigen, die hart arbeiten und Ahnung von ihrer Materie haben, werden mit Macht und Erfolg belohnt, sondern die, die sich selbst und anderen am besten vormachen können, alles im Griff zu haben. Wir lassen uns verschaukeln, so Rietzschels These. Zur Untermauerung findet er Beispiele aus der Politik, Wirtschaft, Kunst und dem Entertainment. Von Kohl bis Merkel, von Westerwelle bis zu Guttenberg – alle bekommen ihr Fett weg. Kenntnisreich analysiert der ehemalige F.A.Z.-Redakteur Fehler, die in den letzten Jahren gemacht wurden – und deren Auswirkungen wir heute schmerzlich zu spüren bekommen.

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Verlagstext: Ob die Spekulationen der Banker, die Rettungsschirme, die die Regierenden aufspannen, oder die Reformen in der Bildungs- und der Gesundheitspolitik – niemand durchschaut mehr die Mechanismen, auf die wir uns täglich verlassen müssen. Gibt es sie denn überhaupt noch, die Experten? Es hat den Anschein, als wäre der Dilettant zum modernen Charakter par excellence geworden. Sänger ohne Stimme treten in diesem Buch ebenso auf wie Maler ohne Talent, Banker ohne Vermögen und Politiker ohne politische Überzeugung – von Angela Merkel bis Günther Jauch, von Wendelin Wiedeking bis Karl-Theodor zu Guttenberg, von Lena Meyer-Landrut bis Thomas Middelhoff.

Buchtipp von Thomas Rietzschel:  “Machiavelli oder Die Kunst der Macht: Eine Biografie” von Volker Reinhardt (Beck)

Thomas Rietzschel: “Die Stunde der Dilettanten. Wie wir uns verschaukeln lassen”. Zsolnay 2012. 256 Seiten. 17,90 Euro.