Buch-Tipp von Stefan Hertmans: “Austerlitz” von W.G. Sebald (Hanser Verlag), “Der Hase mit den Bernsteinaugen” von Edmund de Waal (dtv) und “Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog” von Christopher Clark (DVA)

austerlitz, W.G. sebald, stefan hertmans, britta behrendt, interview lounge, kerstin carlstedtVerlagstext zu “Austerlitz”: Wer ist Austerlitz? Ein rätselhafter Fremder, der immer wieder an den ungewöhnlichsten Orten auftaucht: am Bahnhof, am Handschuhmarkt, im Industriequartier … Und jedes Mal erzählt er ein Stück mehr von seiner Lebensgeschichte, der Geschichte eines unermüdlichen Wanderers durch unsere Kultur und Architektur und der Geschichte eines Mannes, dem als Kind Heimat, Sprache und Name geraubt wurden. — 1939 kommt der 5-jährige Jacques Austerlitz mit einem der “Kindertransporte” nach Wales. Seine Pflegeeltern tilgen die Identität des Jungen völlig. Zeitlebens lässt ihn das Gefühl des Andersseins nicht los.

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der hase mit den bernsteinaugen, edmund de waal, stefan hertmans, britta behrendt, kerstin carlstedt, interview loungeVerlagstext zu “Der Hase mit den Bernsteinaugen”: 264 Netsuke, japanische Miniatur-Schnitzereien aus Holz und Elfenbein, liegen in der Vitrine des britischen Töpfers Edmund de Waal, Nachkomme der jüdischen Familie Ephrussi aus Odessa. Wie sie dorthin kamen, erzählt dieses Erinnerungsbuch. Vom Paris der Belle Époque gelangte die Sammlung ins Wien des Fin de Siècle, aus Tokio in den 1950er-Jahren schließlich nach London. Die Ephrussis, einst an Einfluss und Reichtum den Rothschilds ebenbürtig, erlebten mit dem “Anschluss” 1938 den Niedergang – ihr gesamtes Vermögen fiel der “Arisierung” zum Opfer. Nur die Netsuke wurden – jede einzeln – in der Schürze des Dienstmädchens Anna gerettet. Eine Familienchronik, in der sich europäische Geschichte der letzten hundertfünfzig Jahre spiegelt, eine Wunderkammer, eine brillant geschriebene Erkundung über Besitz und Verlust, über das Leben der Dinge und die Fortdauer der Erinnerung.

die schlafwander, christopher clark, stefan hertmans, britta behrendt, interview lounge, kerstin carlstedtVerlagstext zu “Die Schlafwandler”: Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass das deutsche Kaiserreich wegen seiner Großmachtträume die Hauptverantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkriegs trug. In seinem bahnbrechenden neuen Werk kommt der renommierte Historiker und Bestsellerautor Christopher Clark (Preußen) zu einer anderen Einschätzung. Clark beschreibt minutiös die Interessen und Motivationen der wichtigsten politischen Akteure in den europäischen Metropolen und zeichnet das Bild einer komplexen Welt, in der gegenseitiges Misstrauen, Fehleinschätzungen, Überheblichkeit, Expansionspläne und nationalistische Bestrebungen zu einer Situation führten, in der ein Funke genügte, den Krieg auszulösen, dessen verheerende Folgen kaum jemand abzuschätzen vermochte. Schon jetzt zeigt sich, dass “Die Schlafwandler” eine der wichtigsten Neuerscheinungen zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs sein wird.